Hohburg. Bevor sich die Hohburger im Sommer bei Brutzelhitze in die Kaoline stürzten, suchten sie im Lossabad Abkühlung, das mit Wasser aus dem Bächlein gespeist wurde. Heute erinnert nichts mehr an das 100-Meter-Bassin von 1926 – außer historischen Fotos aus der Sammlung des Steinarbeiterhauses. Sie werden zur 825-Jahr-Feier des Dorfes derzeit in der Museumskantine gezeigt. Aus hunderten von Lichtbildern hat Museumsleiter Matthias Müller 60 ausgewählt und präsentiert sie, vergrößert und bearbeitet, stilsicher in rustikalen Holzrahmen.
Da wurde zum Beispiel der Besuch des sächsischen Königs abgelichtet, der sich 1912 sehen ließ, nachdem in Hohburg eine Windhose gewütet hatte. Für das Dorf war die Monarchenvisite eine Sensation. „Für uns sind das äußerst wertvolle Fotos, weil viele Häuser inzwischen abgerissen sind“, betont Müller und weist unter anderem auf den Gasthof Zur Hohburger Schweiz, der mit seinem Abriss in den 1970er Jahren einem unglücklich überdimensionierten Kubus Platz machten musste. Vielfach waren es die Gastwirte, die als Reklame Postkarten-Fotos anregten. So weiß man heute noch, wie die Gaststube im Forsthaus aussah, nur eine von vier Hohburger Wirtschaften. Ansichtkarten wurden auch aus dem Boden gestampft, als 1927 mit der Lossabrücke die neue Bahnlinie zwischen Wurzen und Eilenburg eingeweiht wurde. Besonders freut sich Müller über das einzige noch vorhandene Foto des Schönbergschen Steinbruchs Löbenberg, der nur zehn Jahre betrieben wurde. Knackschlägerinnen und kaum den Kinderschuhen entwachsene Knaben gehörten, wie man sieht, zu der kleinen Belegschaft,
Das Maibaumfest, bei dem Herbert Slotta Akkordeon spielt, stammt dagegen aus einer Bildercharge jüngeren Datums. Manfred Müller hat in den 1950er, 1960er Jahren Hohburger Alltag dokumentiert. Fotos von der Ernst-Thälmann-Sprungschanze von 1955, der Skiausleihe von 1966 sorgen heute für Staunen. „Wir schmunzeln drüber, aber die Bilder zeigen selbst dort, wo keine gravierenden Baumaßnahmen stattgefunden haben, wie sich die Zeiten verändert haben“, weist Matthias Müller auf einer vierzig Jahre alten Aufnahme vom Lossatal auf Kopfsteinpflaster, Telegrafenmasten und Konsum-Laden hin, die längst verschwunden sind. Bilder von der Lossa, die sich vor der Begradigung wunderbar durch die Wiesen schlängelte, dokumentieren Dorfidylle, die kurzsichtigen politischen Entscheidungen zum Opfer fiel.
Wenn Gruppen im Steinarbeiterhaus gemütliches Kaffeetrinken buchen, gehen dem Hausherrn die Geschichten nicht aus. Zu jedem einzelnen seiner Fotos weiß Müller Anekdoten zu erzählen. Das laienhaft kolorierte Familienbild von 1920 zum Beispiel bringt krimineller Energie in Erinnerung: Das Wohnhaus links im Bild ging 15 Jahre später in Flammen auf, Minna Heidel fünf Jahre ins Zuchthaus. Man hatte herausgefunden, dass sie mit Brandstiftung einen Versicherungsbetrug anzetteln wollte. Jetzt hat Müller sogar das Foto der Brandruine in der Hand. Familie Pfahl war beim Ausstellungsbesuch eingefallen, dass sich dieses Zeitdokument noch in ihren Alben versteckt hält.