Bach-Museum
Horst Köhler besucht das Bosehaus: "Bach veraltet nie"
Mathias Orbeck
Der größte Feind alter Materialien, der Tintenfraß, scheint besiegt. Gefahrlos können nun im wiedereröffneten Leipziger Bach-Archiv mit seiner klimatisierten Schatzkammer wertvolle Originale und Handschriften Bachs gezeigt werden. Das betonte Bundespräsident Horst Köhler, der gestern bei einem Festakt im Alten Rathaus das wiedereröffnete Bach-Archiv als "kulturellen Leuchtturm" in Deutschland würdigte.
Neben Köhler, Sachsens Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) und Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) waren dazu auch viele Stifter und Förderer geladen. Wie berichtet, kosteten Umbau und Modernisierung des Gebäudekomplexes Bosehaus rund sieben Millionen Euro. Zwei davon wurden privat aufgebracht. Darunter mit großzügigen Spenden vom Packard Humanities Institute (USA), der Hamburger Zeit-Stiftung sowie der Ostdeutschen Sparkassenstiftung.
Köhler betonte, die Leipziger Einrichtung leiste hervorragende "Arbeit am Erhalt des kulturellen Gedächtnisses der Nation". Wie gefährdet dieses Gedächtnis sei, hätten in den vergangenen Jahren der Brand der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek und der Einsturz des Kölner Stadtarchivs gezeigt. "Vieles kann durch Unachtsamkeit - manchmal sogar durch Schlamperei und kriminelles Handeln verursacht - unrettbar verloren gehen", so der Bundespräsident, der große Hochachtung vor der Arbeit von Archivaren und Restauratoren ausdrückte.
Köhler nannte es zudem erstaunlich, wie jede Zeit Bach neu entdecke, andere Züge wahrnehme und eine andere Aufführungspraxis bevorzuge. "Jede Gegenwart findet ihren Bach - Bach veraltet nie." Auch Tillich lobte, wie eindrucksvoll das neue Museum dem Thomaskantor ein besonderes Denkmal setze. Die Ausstellung würde unzählige Liebhaber klassischer Musik nach Leipzig locken.
© LVZ-Online, 24.03.2010, 14:38 Uhr