Bach-Museum
Schatzkammer Bach: Bosehaus für sieben Millionen Euro saniert
Mathias Orbeck
Modern, größer, völlig neu konzipiert: Nach fast zweijähriger Umbauphase eröffnet morgen das Bach-Museum mit einem großen Publikumstag. Sieben Millionen Euro kostete der Umbau des historischen Bosehauses. „Es ist überwältigend schön geworden", lobte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD).
Zum Festakt am Sonntag - der offiziellen Einweihung an Bachs 325. Geburtstag - wird Bundespräsident Horst Köhler erwartet. Einen Tag vorher, am Sonnabend von 10 bis 18 Uhr, dürfen sich aber die Leipziger bei freiem Eintritt umschauen. „Das ist mir wichtig, das Haus zuerst für die Leipziger zu öffnen", betonte Jung.
Das ist ein Schmuckstück geworden. Neben dem Umbau im Inneren wurden Dach und Fassade saniert, die Funktionalität verbessert, die nutzbare Fläche auf etwa 3000 Quadratmeter erweitert. Das ist ein Drittel mehr als vorher.
„Eigene Eingriffe im Bosehaus haben wir so gering wie möglich gehalten. Der Besucher soll es so authentisch wie möglich erleben", erläuterte Architekt Gregor Fuchshuber, dessen Büro die Entwürfe lieferte. Ergänzt wurde das Gebäude am Thomaskirchhof um einen modernen, optisch durch Glas abgetrennten Anbau. Der beherbergt die klimatisierte Schatzkammer, in der originale Bach-Handschriften gezeigt werden können. Auch ein Forschungslabor gibt es, in dem Besucher interaktiv die Methoden der Bach-Forschung kennen lernen und ausprobieren können.
„Wir möchten das Museum als Schaufenster für unsere wissenschaftliche Arbeit nutzen", betonte Christoph Wolff, der Direktor des Bach-Archivs. Gut sieben Millionen Euro hat der Umbau gekostet, wobei neben Geldern von Bund, Land und Stadt Leipzig auch private Spender und Stiftungen etwa zwei Millionen Euro beigesteuert haben.
Im Museum wird Johann Sebastian Bach künftig ganz neu erlebbar: Die Ausstellung setzt sich vor allem mit seinem musikalischen Schaffen auseinander. Dabei widmet sich je ein Raum einer Facette des vielseitigen Künstlers: dem Organisten, dem Hofmusiker, dem Komponisten und dem Kantor. Viel Platz wird dabei seiner Leipziger Zeit eingeräumt. Der Besucher soll die barocke Stadt erleben, wie er sie 1723 bei seinem Amtsantritt als Thomaskantor vorfand. Auf einem auf den Boden gedruckten Stadtplan können die Gäste durch Gassen und Plätze und damit den Alltag des Komponisten wandeln. An wichtigen Stationen stehen Bildschirme, auf denen historische Ansichten und Informationen abrufbar sind.
Auffällig sind die zahlreichen Kopfhörer. „Die Hörstationen sollen dem Besucher einen Eindruck seiner musikalischen Entwicklung geben", sagte Museumsleiterin Kerstin Wiese. Im abgegrenzten Hörkabinett ist sogar das gesamte Werk Bach verfügbar.
Optische Höhepunkte sind auch der ausgestellte Spieltisch der Orgel der ehemaligen Johanniskirche, die Bach auf ihren Klang geprüft haben soll, sowie eine neu entdeckten Geldkassette der Familie Bach. Am Sonntag, 21. März, ab 15 Uhr findet rund um den Thomaskirchhof die traditionelle Geburtstagsfeier mit Tortenanschnitt statt.
© LVZ-Online, 24.03.2010, 14:33 Uhr