Wo früher starke Männer an den Blasebalgen ziehen mussten, um den Orgelpfeifen Töne zu entlocken, wird der Luftdruck heutzutage elektrisch aufgebaut. Davon abgesehen wurde die gerade einmal zehn Jahre alte Orgel so gebaut, wie es Mitte des 18. Jahrhundert üblich war.
Soviel zur Theorie. Dann zieht Böhme einige der 61 Register, wodurch er die Orgel aktiviert, und kündigt eine Fuge von Bach an: „Was eine Fuge ist, das kann man nur sehr schwer erklären, das ist ein bisschen wie das Abseits beim Fußball." Eine Fuge müsse man hören und erfahren. Eine helle Melodie tönt durch die Thomaskirche, als Böhme erneut in die Tasten greift.
Die Zuhörer lauschen gebannt, auch die jüngsten. Böhme demonstriert den Klang der verschiedenen Pfeifen, von der hellen Prinzipalpfeife über den Trompetenklang der Zungenpfeife bis hin zum tiefen Grollen der großen Fußposaune. Als Zugabe spielt er Bachs Toccata und Fuge in d-Moll.
Zum Schluss zieht Böhme noch ein letztes Register und lässt einen hohen, schrillen Ton erklingen. „Das ist unser durstiger Vogel, der etwas zu trinken haben möchte", schmunzelt er und gießt Wasser aus einer Flasche in ein Fach an der Seite der Orgel, woraufhin sich der Ton zu einem angenehmen Zwitschern wandelt.
Nach der Vorführung treffen sich die Entdecker noch im nahe gelegenen Thomashaus, um das Erlebte bei Kaffee und Kuchen Revue passieren zu lassen. „Die Orgel ist sehr beeindruckend", so Waltraud Spehr. „Es war wirklich toll, dass der Organist die Kinder mit einbezogen hat und sie auch ihren Spaß hatten."
Ihre beiden Enkel Felix und Sarah sitzen derweil in der Bastelecke und bauen aus Pappröhren kleine Pan-Flöten. Von der Entdeckertour ist Spehr begeistert: „Alles ist super organisiert und man lernt mal was Neues in der Region kennen."