7-Seen-Wanderung
Rückblick: Rund 4000 Wanderfreunde beim 3. Sächsischen Wandertag 2011
Ulrike Witt/Kerstin Leppich
Markkleeberg. Die 7-Seen-Wanderung fiel 2011 zusammen mit dem
Sächsischen Wandertag in Markkleeberg. Mehr als 4000 Wanderer hatten am
Wochenende vom 6. bis 8. Mai 2011 das Leipziger
Neuseenland zu Fuß entdeckt. Mit unzähligen Erlebnissen und Blasen
fuhren sie am Sonntag nach Hause. LVZ-Online war von der
Kind-und-Kegel-Tour bis zum 104-Kilometer-Kanten mit Video- und
Fotokamera dabei.
Auf die Spur der Maikäfer machten sich 100 Kinder mit ihren Eltern zum Auftakt am Freitag. Vier Kilometer ging es durch den Agra Park, an Ökoschule und Torhaus vorbei. Die Kleinen waren kaum zu bremsen. So auch der fünfjährige Clemens. Er war das zweite Mal bei der Maikäfertour. „Für die Kinder ist es klasse, dass sie sich austoben können“, sagte seine Mutter Anja Woggon. Damit die Strecke nicht langweilig wurde, hatten die Organisatoren Maikäfer auf die Wege gemalt, die die Kinder ausmalen durften. Geschafft waren im Ziel vor allem die Eltern, die ihrem Nachwuchs hinterhersprinten mussten.
Herzliche Grüße vom Ministerpräsidenten und Schirmherrn des dritten Sächsischen Wandertages, Stanislaw Tillich (CDU), überbrachte Staatsminister Frank Kupfer am Freitagabend an der Bistumshöhe. In seinem Beisein übergab die Vorsitzende des Koordinierungskreises Wandertourismus in Sachsen, Heidrun Hiemer, an die Mitglieder eine Kooperationsvereinbarung. Ziel sind neue Wanderprojekte. Kupfer machte sich danach in sportlichem Tempo nach Zitzschen auf.
Und verpasste dadurch einen der ganz besonderen Momente der Sieben-Seen-Wanderung – den Empfang an der mit Fackeln ausgeleuchteten ehemaligen preußisch-sächsischen Grenze. Der Görlitzer Matthias Kertzsch entrichtete seinen Wegzoll am Eythraer Trianon gern: „Ich bin zum fünften Mal dabei, es läuft von Jahr zu Jahr besser.“ Fasziniert sei er von der Organisation. „Was der Wolfgang Flohr hier auf die Beine stellt, ist einfach gigantisch“, sagte Kertzsch und verschwand im nächtlichen Eichholz.
Vier Kilometer weiter im Rathausinnenhof Zwenkau wurde den Wanderern eine orientalische Nacht bereitet. Mitarbeiter der Verwaltung kostümierten sich wie jedes Jahr. Bei Tee und einem Imbiss konnten erste Blasen versorgt und Erlebnisse ausgetauscht werden. „Ich hab’s geschafft“, jubelte Stefanie Kreusch vom Yachtclub Zwenkau nach 23 Kilometern. Motiviert hatte sie unterwegs ein 68-Jähriger aus Olbernhau. „Es macht riesigen Spaß, aber jetzt freue ich mich auf den Bus, der uns zurückbringt“, erklärte gegen Mitternacht Arite Selig, die es von Dortmund in die Heimat gezogen hat.
Von den 18 geführten Touren im Wandertagsprogramm erwies sich die Orgelwanderung als Renner. Binnen weniger Stunden waren die Plätze im Januar ausgebucht. Für die Veranstalter ein klarer Fall: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. So machten sich am Samstag zwei Gruppen auf die 14 Kilometer nach Rötha. „Ohne die Tour wäre ich auf so eine kleine Dorfkirche gar nicht aufmerksam geworden“, meinte die Leipzigerin Renate Wagner vor der Katharinenkirche zu Großdeuben. Drinnen hatte Kantor Frank Zimpel Wissenswertes über die 1754 von Christian Friderici erbaute Orgel parat. Zum Beispiel, dass das Instrument einst in der dem Tagebau zum Opfer gefallenen Kirche Cröbern stand.
Der Durst bestimmt das Wandertempo, das lernte die Markkleebergerin Ute Jung am Samstagabend bei der Goseanna-Tour. „So schnell bin ich sechs Kilometer noch nie gelaufen“, gestand sie im Kees’chen Park. Dort wartete Gosenwirt Hartmut Hennebach und versprach: „Sie leben 20 Jahre länger, wenn Sie regelmäßig Gose trinken.“ Zum Sonnenschirm, einer Gose mit Sirup, kredenzte Hennebach Humorvolles zu Geschichte und Wirkung des pur genossen, sauren Weizenbiers. So soll das traditionsreiche Getränk den Herren zu ungeahnter Manneskraft verhelfen. Na dann Prost, hieß es in der lockeren Runde.
Unterwegs Freunde finden – dass Motto von Sieben-Seen-Wander-Vater Wolfgang Flohr bestätigten die Leipzigerin Birgit Mennicke und die Grimmaerin Petra Petri. Die Frauen lernten sich bei der Goseanna-Wanderung kennen und waren sich schnell einig: „Die Touren sind spitze. Hut ab vor den Organisatoren.“ Mennicke meinte, sie würde jederzeit wieder nach Markkleeberg zum Wandern kommen: „Macht weiter so oder besser noch mehr davon.“
In preußischer Offizierstracht begrüßte Michél Kothe am Sonntag die Wanderer zum Geschützdonner auf dem Apelsteinweg und führte sie mit Martin Hentschel zu Originalschauplätzen der Völkerschlacht von 1813. „Das Thema ist einfach interessant und die Länge der Wanderung auch sehr angenehm“, erzählte Christel Dietz aus Hohenstein, die schon in ganz Deutschland wandern war.
„Der Sächsische Wandertag ist eine Empfehlung für den Tourismus im Neuseenland. Viele werden wiederkommen, da bin ich mir sicher“, sagte Torsten Holzkamp vom Sächsischen Landeskuratorium ländlicher Raum. Am meisten beeindruckt war er von der Gastfreundschaft. „Egal, wo wir waren, wir wurden von einer Woge der Begeisterung getragen."
© LVZ-Online, 08.05.2011, 20:24 Uhr