Regionalsport
Aufgalopp im Leipziger Scheibenholz lockt 22.000 Besucher an
rob/lyn/ukö
Leipzig. Rund 22.000 Besucher sind am Dienstag zum traditionellen Aufgalopp zur Rennbahn Scheibenholz in Leipzig geströmt - so viele wie seit den 1920er Jahren nicht mehr. Schon früh kamen zahlreiche Gäste auf das Gelände und nahmen die sanierte Tribüne in Augenschein, die am Mittag feierlich eröffnet wurde. Bei Volksfeststimmung wurden seit dem Nachmittag neun Rennen mit 80 Pferden ausgetragen. Dabei gab es auch einen tragischen Zwischenfall: Ein Hengst stürzte schwer.
Wie Jens Luft, Vizepräsident des Leipziger Reit- und Rennvereins Scheibenholz, auf Anfrage von LVZ-Online bestätigte, geschah das Unglück gleich im ersten Rennen gegen 14 Uhr. Proust, ein fünf Jahre alter Schimmel einer Leipziger Besitzergemeinschaft, brach sich beim dem Sturz in der Kurve vor der Zielgeraden einen Knöchel. Nach Angaben von Luft blieb der Jockey, der Auszubildende Fernando Guanti vom Rennstall Wöhlert, unverletzt. Der Hengst habe jedoch eingeschläfert werden müssen. "So etwas ist sehr traurig, kann aber im Pferderennen immer wieder vorkommen. Es ist für Mensch und Tier ein gefährlicher Sport", sagte der Vizepräsident.
Trotz des Unglücks herrschte am ersten Renntag der Saison überwiegend positive Stimmung. Wegen des erwartet großen Andrangs wurden 49 Wettschalter aktiviert, so viele wie noch nie in Leipzig. "Auch wenn sich immer noch Schlangen vor den Annahmen gebildet haben - die Ausweitung hat sich positiv bemerkbar gemacht", zog Jens Luft ein Fazit. Insgesamt summierte sich der Wettumsatz an allen Kassen auf fast 157.000 Euro, sagte der Vereinsverantwortliche. Zwischenzeitlich habe es wegen des heißen Wetters Engpässe beim Verkauf der Getränke gegeben.
Unter den Zuschauern war auch etliche Prominenz aus Politik und Kultur versammelt: Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) und Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) kamen ebenso zum Rennen wie Operndirektorin Franziska Severin und Autor Clemens Meyer.
Zum Frühschoppen konnten die Besucher bereits am Vormittag die BigBand der Musikschule Johann Sebastian Bach genießen. Die kleinen Besucher hatten zum ersten Mal die Gelegenheit, das Kinderland im Bereich der Dammtribüne zu erobern.
20 Jahre Kampf um die Erhaltung des Rennbahn-Schmucktücks
Im Mittelpunkt stand für den Verein am 1. Mai aber das alte, neue Schmuckstück des Geländes: „Es ist ein wahnsinnig erhebendes Gefühl, kaum mit Worten zu beschreiben“, meinte Rennverein-Präsident Jürgen Funke. Der Renntag markierte das Ende eines über 20-jährigen Kampfes um den Erhalt der Tribüne, es war ein Drama mit Hoffnungen, Versprechungen, Enttäuschungen und Verzweiflungen.
Die Tribünen-Sanierung hat vier Rennverein-Präsidenten beschäftigt und verschlissen. Nun ist es geschafft. Mit Hilfe des Privatinvestors Alexander Leip (2,54 Millionen Euro), Mitteln des Konjunkturpakets II (1,35 Millionen) und Unterstützung der Stadt Leipzig (500 000) erstrahlt die denkmalgeschützte Tribüne jetzt prächtiger denn je.
Der nächste Renntag findet am 16. Juni ab 14 Uhr auf der Rennbahn Scheibenholz statt.
Fotos von der Tribünensanierung:
© LVZ-Online, 01.05.2012, 19:16 Uhr