Regionalsport
Drei Weltmeister für Leipzig nominiert - Omeyer, Gille und Fernandez in Bundesliga-Auswahl
Winfried Wächter
Foto: dpa
Kreisläufer Bertrand Gille und Torhüter Thierry Omeyer zeigen stolz den WM-Pokal nach dem Finale gegen Dänemark.
Leipzig. Aber klar doch. An Leipzig kann sich Thierry Omeyer natürlich erinnern. „Das war vor einigen Jahren beim Supercup, da haben wir dort gespielt mit der Nationalmannschaft“, erklärt Omeyer. Wie genau, weiß er nicht mehr. Nun, die Franzosen haben 2003 in Sachsen jeweils gegen Kroatien und Spanien verloren.
Jetzt haben sie gerade in Jönköping Ungarn im ersten Spiel der WM-Hauptrunde klar geschlagen. Aufzuhalten wird der Titelverteidiger wohl nicht sein, da sind sich so gut wie alle einig. Aber vielleicht sind die Olympiasieger, Weltmeister und Europameister inzwischen ein bisschen weniger ehrgeizig und lassen so ein Turnier ruhiger angehen. Omeyer versteht eine solche Denkweise nicht und sagt ernst: „Wir wollen immer gewinnen.“
Ohne Stefan Kretzschmar wäre das All Star Game kaum nach Leipzig gekommen. Er hat wesentlich dafür gesorgt und für die Stadt geworben, damit die Bundesliga-Stars in der Arena gegen die Nationalmannschaft antreten.
Natürlich hätte sich „Kretzsche“ auch andere Vorzeichen für diese Begegnung gewünscht. Das schlechte Abschneiden der Brand-Männer bei der WM in Schweden hat auch ihn tief getroffen. Doch unabhängig vom enttäuschenden 11. Platz hofft er auf eine gelungene Veranstaltung. „Ich weiß aus meiner aktiven Zeit, dass das All Star Game den Spielern immer Spaß gemacht hat, mir natürlich auch.“ Er bezeichnet die Veranstaltung für Leipzig „als einen Sechser im Lotto“. Das Spiel sei auf jeden Fall ein erheblicher Werbefaktor.
Kretzschmar hat viele alte Bekannte eingeladen, die vor den Handball-Stars ein Promi-Spiel bestreiten (Anwurf 19.15 Uhr). Nicht alle kommen aus der Handball-Szene. Birgit Fischer zum Beispiel hatte mit dieser Sportart relativ wenig zu tun. Was kein Wunder ist, denn die erfolgreichste deutsche Olympionikin gewann ihre acht Gold- und vier Silbermedaillen bekanntlich als Kanutin. „Eigentlich wollte ich es mir auf der Tribüne bequem machen. Jetzt bin ich halt mit auf dem Spielfeld unterwegs. Ich hoffe, die Kondition hält“, sagt sie zu ihrer „Nominierung“. Und zu den Handballern hatte sie schon immer gute Kontakte. „Ich kann mich noch genau an die Party nach dem Olympiasieg 1980 erinnern. Da ging es hoch her“, so die Potsdamerin. Einer der Helden von Moskau wird am Sonnabend ihr Trainer sein: Torhüter-Legende Wieland Schmidt sitzt auf der Bank.
Kretzschmars Einladung sind auch die Berliner Countrypunks The BOSSHOSS gefolgt. Beziehung zum Handball gab es zuletzt in der Schule. „Immerhin gibt uns Kretzsche eine Trainings-Einheit. Man will sich ja auch nicht zum Kasper machen“, beschreibt Alec Völkel den Ehrgeiz. Tim Mälzer hat da Vorteile, er hat als Jugendlicher richtig Handball gespielt. „Ich denke, das ist so wie beim Radfahren, ganz verlernt man die Technik nicht“, so der Star-Koch.
Das Promi-Spiel wird zu Gunsten der Stiftung Deutsche Sporthilfe ausgetragen. „Da bin ich natürlich gerne dabei“, sagt Volker Zerbe, der einstige wurfgewaltige Linkshänder aus Lemgo. „Die Sporthilfe unterstützt viele Sportler. Durch dieses Engagement werden Topleistungen in Deutschland erst möglich.“ r.Seine Mannschaft ist tatsächlich nicht mehr aufzuhalten. Nach dem Unentschieden gegen Spanien in der Vorrunde verliert sie kein Spiel mehr und am letzten Sonntag holte sie im Finale gegen Dänemark ihren vierten Titel. Daran denkt Omeyer noch nicht, als gerade die Ungarn geschlagen wurden. „Es gibt viele andere gute Mannschaften. Wir müssen aufpassen.“
Die Franzosen haben sehr gut aufgepasst während der WM in Schweden. Als das Finale am Sonntag gegen Dänemark zu kippen drohte, zeigte sich die größte Stärke des französischen Teams: Es lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.
Das All Star Game in Leipzig ist zum Zeitpunkt der Hauptrunde noch weit weg, aber Omeyer freut sich auf die Veranstaltung. Der Termin passe so kurz nach der WM. Und es werde bestimmt viel Spaß geben.
Neben dem Kieler Torhüter wurden mit Jerome Fernandez und Bertrand Gille zwei weitere Franzosen nominiert. Fernandez spielt wie Omeyer beim THW, Gille beim HSV Hamburg. Das Trio zeigte eindrucksvolle WM-Leistungen. Omeyer zwar weniger im Endspiel, auf dem Weg dahin dafür um so mehr. Fernandez traf immer die richtige Entscheidung, wenn seine Mannschaft ein Tor brauchte und Gille wurde nach vielen überragenden Partien als bester Kreisläufer ausgezeichnet.
Auch er kennt Leipzig. „Ich glaube, ich war schon mal als Jugendlicher mit unserer Jugendauswahl hier.“ Das muss schon eine Weile her sein, denn der Mann mit dem Pferdeschwanz gehört seit 1997 zur Nationalmannschaft. Inzwischen ist er 32 Jahre alt und hat alles erreicht, was ein Sportler erreichen kann. Aber weniger ehrgeizig ist der Welthandballer von 2002 keineswegs. Eine Partie nicht mit 100 Prozent zu bestreiten, weil es doch vielleicht auch mit halber Kraft reichen könnte, das entspricht nicht seinem Naturell. „Jeder Gegner verdient Respekt und den zeigt man ihm mit dem Einsatz im Spiel.“
Sein Deutsch ist perfekt. Er spricht fast ohne Akzent und wundert sich, dass sich mancher darüber wundert. „Das habe ich doch in Deutschland gelernt.“ Pardon, aber nicht alle Franzosen, die in Deutschland Sport treiben, sprechen diese Sprache. Gille, der seit 2002 zum HSV gehört, will sofort wissen, wer gemeint ist. Fußballer halt. Der stolze Handballer Bertrand Gille kontert scharf: „Wir sind keine Fußballer.“
© LVZ-Online, 04.02.2011, 18:42 Uhr