Leipzig. Die Rasenballsportler vom Cottaweg treten am kommenden Sonntag zum vorletzten Heimspiel der Saison an. Gegner ab 13.30 Uhr im Sportforum an der Jahnallee ist der Berliner Athletik-Klub, derzeit Tabellen-Sechster der Fußball-Regionalliga. Nicht nur ob der traditionellen preußisch-sächsischen (Fußball-)Rivalität dürfte das Spiel kein leichtes für die angeschlagene Pacult-Elf werden. Der Gegner aus der Hauptstadt stürmt auf fremdem Platz mit Vorliebe unerschrocken nach vorn und konnte so in dieser Saison immerhin schon 22 Auswärtspunkte ergattern.
Diesem athletischen Strum-und-Drang wollen die roten Bullen am Samstag laut Vereinsmitteilung mit „Vollgas-Fußball“ begegnen. „An unseren Spielern nagt es gewaltig, dass es im eigenen Stadion zuletzt etwas hakte. Trotzdem standen die rot-weißen Anhänger in der Red Bull Arena und natürlich vor allem auch auswärts wie eine Wand hinter den Roten Bullen. Das wollen unsere Jungs am Sonntag mit einer guten Leistung, vollem Einsatz und drei Punkten zurückzahlen“, heißt es auf der Homepage der Rasenballsportler.
Woher die zusätzliche Kraft im RB-Tank gegenüber den eher mauen Kutschfahrten gegen Kiel und Meuselwitz in den letzten Wochen allerdings rühren wird, wollte Chefcoach Peter Pacult am Freitag nicht erklären. Ohnehin wurden nur wenige Worte zum anstehenden viertletzten Saisonspiel verloren. Kein Wunder: Der Schmerz aufgrund der kaum noch abwendbaren, weiteren Leipziger Runde in der Viertliga-Tristesse sitzt tief. Sehr tief. Nicht nur bei RB-Verantwortlichen und Fans, sondern auch bei manch fragendem Medienvertreter.
„Was nun, Herr Pacult“, hieß es am Freitag sinngemäß und vielseitig aus dem Fond der professionell Wissbegierigen. Der Österreicher antwortete wortkarg und standardisiert, so wie schon in den vergangen Wochen: „Wir haben diese Woche ganz normal trainiert und gehen nun genauso in die kommenden Spiele hinein, wie bisher – mit dem klaren Ziel, die Begegnung zu gewinnen. Alles andere können wir ohnehin nicht beeinflussen.“ Gemeint sind Hallenser Gegentore, bestenfalls zahlreich und spielentscheidend. Auf dass der HFC beim Zieleinlauf noch stolpere.
Am Freitagabend ruhten die Leipziger Hoffnungen auf der U23 von
Energie Cottbus
. In den Wochen danach dürfen noch die Reserve des FC St. Pauli und die Zipsendorfer aus Meuselwitz ihr Glück vorm HFC-Tor versuchen. Sollte zwei der drei Teams wider Erwarten eine Überraschung gelingen und Pacults Elf währenddessen immer triumphieren, erblüht sie noch einmal, die Leipziger Aufstiegshoffnung. Im Fußball ist bekanntlich alles möglich – beispielsweise auch, dass Lionel Messi mal nur das Lattenkreuz trifft oder der Rest aus Leipzig-Leutzsch DDR-Meister wird.
Am Freitag war von Überraschungen dieser Art aber nichts zu spüren, die drohende nächste Ehrenrunde in der Regionalliga Nord dafür allgegenwärtig. Von einem Rückschlag in den Ambitionen seines Arbeitgebers wollte RB-Coach Pacult trotzdem nichts wissen: „Wir sind hier, um etwas weiterzuentwickeln und jede Mannschaft braucht dafür Zeit. Sven Köhler ist auch nicht im ersten Jahr aufgestiegen, aber wir sollen gleich einen Baum ausreißen“, beschwerte sich der 52-Jährige. In der Red-Bull-Zentrale in Fuschl am See will man ihm offenbar noch eine weitere Saison für die angesprochene Abforstung Zeit geben und hofft dabei auf mehr Beständigkeit. Oder wie Pacult es mit Blick auf seinen Job nannte: „Das Wort Kontinuität gefällt mir ganz gut.“