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Spielabsage: Roter Stern verweigert angeblichem Neonazi vom FSV Oschatz den Zutritt

Leipzig. Eigentlich wollten sich die Bezirksklassefußballer vom FSV Oschatz am Mittwoch aus der Abstiegszone befreien. Mit einem Sieg bei Roter Stern Leipzig wären die Spieler dem Klassenerhalt ein weiteres Stück näher gekommen. Am Ende traten die Oschatzer gar nicht erst an. Der Grund: die Verantwortlichen von Roter Stern hatten Gästespieler Tom W. den Zutritt auf das Sportgelände verweigert.

„Wir haben Hinweise aus unseren Fanreihen erhalten, nach denen W. in neonazistischen Kreisen aktiv zugange sein soll. Unsere Recherchen bestätigten diesen Verdacht und veranlassten uns zu dieser Maßnahme“, sagt Sophia Bormann, Präsidentin von Roter Stern gegenüber LVZ-Online.

Der Leipziger Verein beruft sich auf die vom Bündnis für Demokratie und Toleranz herausgegebene Broschüre „ 11 Fragen nach 90 Minuten“, die sich mit Rassismus im Fußball auseinandersetzt. Darin enthalten ist ein Zehn-Punkte-Plan der UEFA, in dem gefordert wird, aktiv gegen Neonazis vorzugehen. Die Vorschläge des Europäischen Fußballverbandes hat der Verein in seine Hausordnung übernommen. „Wir haben die Angaben konsequent umgesetzt. Möglicherweise haben wir jetzt ein Fass ohne Boden aufgemacht, aber wir wähnen uns im Recht“, so Bormann.

Die Verantwortlichen des FSV Oschatz sind da ganz anderer Meinung. „Wir empfinden den Ausschluss von Tom W. als Diskriminierung und deshalb hat sich die Mannschaft entschieden, nicht ohne ihn zu spielen. Es geht doch um den Sport, nicht um Politik“, sagt Vorstandsmitglied Helmut Hennig. Die Vorwürfe gegen den 23-jährigen Spieler kann er in keiner Weise nachvollziehen: „Tom spielt seit dem Kindesalter in unserem Verein, ist sozusagen ein Urgestein und wir haben mit dem Jungen nie schlechte Erfahrungen gemacht. Er trainiert regelmäßig und ordentlich. Soweit uns bekannt ist, liegt auch polizeilich nichts gegen ihn vor.“ Deshalb sei es für den vom Verletzungspech verfolgten FSV Oschatz, der ohnehin nur mit elf Feldspielern angereist war, nicht in Frage gekommen, das Spiel zu Zehnt zu bestreiten.

Die Verantwortlichen von Roter Stern Leipzig hatten bereits in der vergangenen Woche den Gastverein sowie den Sächsischen Fußballverband auf den Sachverhalt hingewiesen und die Oschatzer aufgefordert, W. für das Spiel nicht zu nominieren. „Das ist richtig“, bestätigt Hennig,  „aber wir haben derzeit so wenig Spieler zur Verfügung, dass es einfach unmöglich war, Tom zu Hause zu lassen. Außerdem ist er ein sehr wichtiger Mann für uns und wir können im Abstiegskampf nicht auf ihn verzichten.“

Welche Konsequenzen die Aktion von Roter Stern hat, wird ein Sportgerichtsverfahren entscheiden. Das Vorgehen der Connewitzer sorgte nicht nur beim FSV Oschatz für Unmut. Rainer Hertle, Präsident des Leipzier Fußballverbandes, hatte den Verantwortlichen von Roter Stern bereits im Vorfeld erklärt, dass das Handeln des Vereins unzulässig sei. „Ein aktiver Spieler kann zwar von einem Spiel als Zuschauer ausgeschlossen werden, nicht jedoch als Spieler“, meinte Hertle.

„Wir haben das anwaltlich prüfen lassen und konnten keine Klausel finden, die besagt, dass Spieler von diesen Maßnahmen ausgeschlossen sind“, sagt Bormann und sieht dem Sportgerichtsverfahren nun gelassen entgegen.

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